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Traumjob – Tauchlehrer! Aber wie wird man eigentlich einer?

       

Der Beruf Tauchlehrer gilt als Traumjob. Vor allen in den Gebieten, wo das Wasser warm ist und viele bunte Fische und Korallen die Riffe bevölkern. Stellt man sich einen Tauchlehrer vor, hat man sofort diese gut gelaunten, braun gebrannten Dauer-Urlauber vor Augen. Lebenskünstler, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben. Doch wie wird man eigentlich Tauchlehrer? Steht man eines Morgens auf und fällt den Entschluß: ab jetzt bin ich Tauchlehrer? Ein Magisterstudiengang in der Disziplin Tauchen kann es auf jeden Fall genauso wenig sein wie eine Ausbildung von Tauchlehrling zum Tauchgesellen oder gar -meister.

Die Frage ist eigentlich schnell beantwortet: Tauchlehrer wird man, indem man einen Tauchlehrer-Kurs besucht. Der genaue Ablauf dieser Kurse ist je nach Verband (davon gibt es einige) unterschiedlich, die Grundsätze bleiben jedoch unverändert. PADI Course Director Nancy hat uns zu ihrem PADI IDC (Instructor Development Course) eingeladen. Wir werden der erfahrenen Kursleiterin und ihrem Team über die Schulter schauen und die einzelnen Kandidaten aus der Nähe beobachten können. Der Kurs findet am Roten Meer bei Sinai Divers in Dahab, Süd-Sinai, Ägypten statt und dauert elf Tage.

Tauchbasis Sinai Divers, Hilten Resort Dahab

Die Mission von Nancy und ihrem Team ist es, die Kandidaten optimal auf die Abschlussprüfung – den IE (Instructor Examination) – vorzubereiten. Die Prüfung findet am Ende des Kurses statt, dauert zwei Tage und besteht aus einem praktischen und einem theoretischen Teil. Die Kandidaten haben alle das selbe Ziel – in 13 Tagen eine Urkunde als zertifizierter Tauchlehrer entgegenzunehmen.

Um an einem PADI IDC teilnehmen zu können, sind außer Volljährigkeit noch weitere Voraussetzungen zu erfüllen: Die Kandidaten benötigen den Status ”PADI Divemaster” mit mindestens 100 geloggten Tauchgängen oder den Titel ”PADI Assistent Instructor”. Zugelassen sind auch Tauchlehrer anderer Organisationen, die einen so genannten ”Cross-Over” machen möchten.

PADI Kursüberblick

PADI Kursübersicht

TAG 1
Es ist 8.30 Uhr und absolutes Traumwetter in Dahab. Der Blick auf die Berge des Sinai ist gigantisch – Sandstrand und Meer sehen genauso aus, wie man es von Ansichtskarten kennt. In der Lagune ziehen bereits erste Surfer ihre Runden. Erste Feriengäste bevölkern die Liegen und genießen sie Sonne.

Ein wundervoller Tag, der gerade zu nach Urlaub schreit – nur nicht in die Ohren unserer zukünftigen Tauchlehrer, auf die in den nächsten Tages ein ganz anderes Programm wartet. Schon bitten Course Director Nancy und ihre IDC-Team-Mitglieder ihre neuen Kandidaten ins Klassenzimmer. Wir schleichen uns natürlich mit hinein.Strandabschnitt vor Sinai Divers Dahab

IDC Klassenzimmer Die Klimaanlage läuft unermüdlich in dem mit Holz ausgekleideten Raum. Es ist warm und riecht nach frischem Kaffee. Die elf Teilnehmer aus sechs verschiedenen Ländern nehmen Platz und breiten ihre Unterlagen aus. Dicke Order und Bücher stapeln sich nun neben Wasserflaschen und Notebooks auf den Tischen. Alle Blicke richten sich auf Nancy, die routiniert mit ihrer Präsentation beginnt. Die Stimmung im Raum ist heiter und es wird viel gelacht wenn Nancy mit kleinen persönlichen Einlagen ihr Programm abrundet.

Wir sehen uns inzwischen die Kandidaten genauer an. Bis auf zwei noch recht müde wirkende Spanier, die in der zweiten Reihe leise tuscheln, scheinen sich die Teilnehmer nicht zu kennen – eine recht bunte Mischung, die sicher aus ganz unterschiedlichen Motiven heute hier angetreten ist. Einige der werdenden Tauchlehrer leben und arbeiten schon in Dahab. Andere sind extra für den Kurs von weit her angereist und werden ihren neuen Beruf in ihrer Heimat ausüben. Auch das Altersspektrum ist interessant. Die jüngste Teilnehmerin ist gerade volljährig geworden, die älteste hat die 50 bereits überschritten. Laut Nancy ist das keine Ausnahme – Alter schützt zum Glück vor Tauchen nicht.

Das IDC-Team: Nancy und die “mächtigen Drei”

IDC Klassenzimmer innenCourse Director Nancy ist gebürtige Deutsche und lebt seit 16 Jahren in Dahab. Sie arbeitet seit dieser Zeit in der Tauch-Industrie. Von Anfang an war es ihr Traum, Tauchlehrer-Ausbildering zu werden.

Um jedem Teilnehmer optimale Aufmerksamkeit teil werden zu lassen, hat Nancy drei ausgebildete IDC-Lehrer mitgebracht. Yasser, Hendrik und Doug stehen den Teilnehmern beratend zur Seite und helfen bei der Vorbereitung. Yasser ist ein quirliger Ägypter, der ursprünglich aus einem Ort 100 Kilometer nordöstlich von Kairo stammt, wie er uns verrät. Schon nach kürzester Zeit hat er für die ersten seiner Kandidaten Spitznamen gefunden. Alvaro und Hugo tauft er kurzentschlossen in Alvarez und Hörli um. Das ist seiner Meinung nach einfacher zu merken. Hendrik kommt aus Deutschland und hat dort in der Heimat vor einigen Jahren seine Ausbildung zum Tauchlehrer gemacht. Er ist seit 2007 IDC Staff Instructor und wird den Deutsch-sprachigen Kurs begleiten. Doug, der Dritte im Bunde, ist Engländer und ehemaliger Feuerwehrmann. Er ist seit sieben Jahren Tauchlehrer und seit diesem Sommer augebildeter IDC-Lehrer (Staff Instructor). Doug ist zum zweiten Mal bei einem IDC dabei und wird mit Yasser zusammenarbeiten. Nicht ganz uninteressant finden wir, dass Dougs Freundin Leeann im gleichen Raum, allerdings auf der anderen Seite – als eine der IDC-Kandidaten – sitzt.

Nancy, Yasser, Hendrik und Doug

Verständigung unter Wasser

Wie wir auf unserer Kopie des Kursplans sehen können, steht den Kursteilnehmern in den nächsten Tagen ein strammes Programm bevor. Sie müssen sowohl ihre theoretischen als auch praktischen Fachkenntnisse so erweitern, dass sie diese später optimal an Tauchschüler weitergeben können. Ein großer Teil des Kurses besteht darin, die Demonstrations-Fähigkeiten unter Wasser zu optimieren. Da man dort nicht sprechen kann, müssen die angehenden Tauchlehrer lernen, sich auch ohne Worte, nur mit Gesten, eindeutig verständlich zu machen.

Und so geht es am ersten Tag nach einer Selbstvorstellung aller Kandidaten und dem Kursüberblick auch gleich ins Wasser. Die Ausbilder können sich nun ein Bild machen, in welchen Bereichen noch Übungsbedarf besteht. Außer in schlechten Kung-Fu-Filmen fallen Meister nämlich nicht vom Himmel. Wir wollen uns das natürlich aus der Nähe ansehen und schnorcheln mit unserer Foto-Kamera hinterher.

Die Schülergruppe ist noch nicht lange im Wasser, da kommt eine junge Frau bereits wieder zurück. Sie fühlt sich nach eigener Aussage nicht besonders wohl und will die Übung lieber an einem anderen Tag absolvieren. “Noch kein großes Drama”, sagt Nancy, “es ist noch außreichend Zeit, um die versäumte Wasser-Lektion nachzuholen”. Allerdings sei es besser, fügt Frau Course Director ernst an, wenn die Teilnehmer so oft wie möglich im Wasser sind. Manchmal müsse man eben die sprichwörtlichen “Pobacken zusammenkneifen und durch”.

Skill Circuit

Im flachen Wasser, der so genannten “Confind Area” beobachten wir Leeann und Peter, die direkt neben bzw. unter uns ihre Übungen vorführen. Peter zeigt langsam und deutlich den so genannten Skill Circuit mit den PADI-üblichen Gesten. Für ihn sind die standartisierten Bewegungsabläufe – oder ums es mit Peters Worten zu sagen: das PADI Unterwasserballett neu, da er seine bisherige Ausbildung bei CMAS absolviert hat. Leeann macht ihre Sache ebenfalls sehr gut und kann die Kurs-Lehrer überzeugen. Doug ist besonders stolz auf sie.
Maske abnehmen und wieder aufsetzen

Warum Tauchlehrer?

Nach diesem ersten Tag im Wasser bei Königswetter in traumhafter Umgebung und netter Gesellschaft, stellt sich für uns – ehrlich zugegeben – die Frage kaum mehr warum jemand Tauchlehrer werden möchte. Dennoch erfahren wir im Laufe des Tages, dass die Motivationen der einzelnen Teilnehmer doch sehr unterschiedlich sind.

IDC Kursteilnehmer

Hugo und Alvaro, zwei IT-ler aus Spanien wollen den Kurs machen, um dem Büroalltag zu entkommen und rund um den Erdball zu reisen. Als Tauchlehrer wollen die beiden Freunde nebenbei Geld verdienen. Peter aus Deutschland war bisher Nachrichtensprecher beim Fernsehen. Wegen seines Alters, so berichtet er, war er an seinem ursprünglichen Arbeitsplatz auf einmal Schluß. Er hat erst vor 10 Monaten mit dem Tauchen begonnen, hat aber bereits ein festes Jobangebot auf einem Tauchboot in Thailand. Peter hat den Status CMAS 3-Drei-Stern (***) für ihn ist der PADI IDC also ein Crossover von einer anderen Tauch-Assoziation. Jane kam vor 18 Monaten zum ersten Mal nach Dahab, hat sofort Feuer gefangen und ihren Lebensmittelpunkt spontan von Großbritannien nach Ägypten verlegt. Als ehemalige Englisch-Lehrerin liebt sie es zu unterrichten und möchte diese Leidenschaft nun im Wasser ausüben. Leeann ist eigentlich Rettungs-Sanitäterin, arbeitet momentan aber als Divemaster in Dahab. Für sie ist der Tauchlehrerschein der nächste logische Schritt. Ähnlich geht es auch Giovanna aus Italien, Rami aus Ägypten und Viktoria aus Kasachstan, die alle drei schon in der Tourismus-Branche tätig sind. Die Sozialarbeiterin Sigrid ist Mitglied eines Tauchclubs in Deutschland. Sie hat nicht vor ihren Beruf zu wechseln, freut sich aber schon darauf mit Freunden, die tauchen lernen wollen ihre Leidenschaft zu teilen. Die beiden jüngsten im Bunde sind Lucy aus Yorkshire (England) und Rashad aus Alexandría (Ägypten). Für die beiden ist der Tauchlehrerschein der Start in ein neues Berufsleben.

Inzwischen sind alle Kandidaten wieder im Tauchcenter angekommen und reinigen ihre Ausrüstung vom Salzwasser. Nach dem Mittagessen und weiteren Präsentationen der Kurs-Lehrer im Unterrichtsraum endet der erste Tag für die IDC-Kandidaten um 17.30 Uhr.

Morgen steht als erstes ein Fitness-Test auf dem Programm und die Kandidaten werden zum ersten Mal bei einer eigenen Präsentation ihre didaktischen Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Tag 1: Wie wird man eigentlich Tauchlehrer?

Tag 2: Wie wird man eigentlich Tauchlehrer?

Tag 3: Wie wird man eigentlich Tauchlehrer?

Tag 4: Wie wird man eigentlich Tauchlehrer?

Tag 5: Wie wird man eigentlich Tauchlehrer?

Tag 6: Wie wird man eigentlich Tauchlehrer?

Tag 7: Wie wird man eigentlich Tauchlehrer?

Tag 8: Wie wird man eigentlich Tauchlehrer?

Tag 9: Wie wird man eigentlich Tauchlehrer?

Tag 10: Wie wird man eigentlich Tauchlehrer?

Tag 11: Wie wird man eigentlich Tauchlehrer?

Tag 12: Wie wird man eigentlich Tauchlehrer?

Tag 13: Wie wird man eigentlich Tauchlehrer?

Course Director: Nancy Abd El Wahab

Tauchbasis: Sinai Divers Dahab

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Veröffentlich am 19. September 2009 von jdo
tags: , , , , , , , , , , , , , , , , kategorie: ausbildung
 

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